Gesund füttern im Winter

von Lorella Joschko

Gesund füttern im Winter

Gerade im Winter, wenn die Tage kürzer werden und die Nächte umso kälter, kämpfen viele Pferdebesitzer mit kleinen Wehwehchen ihrer Lieblinge. Ausgiebiger Weidegang ist nur an den wenigstens Ställen möglich und wirkliche Bewegung gibt es durch die sehr früh einsetzende Dunkelheit meist nur noch in der Halle. Eine zusätzliche Belastung des Immunsystems stellt auch der Fellwechsel dar, der besonders älteren Tieren zu schaffen macht. Wir geben euch einen kleinen Überblick über aller Hand Zusatzfutter und verraten euch, welche Kräuter am besten geeignet sind, damit euer Pferd gut über den Winter kommt.

Raufutter bildet den Grundstein

Da der Pferdemagen im Verhältnis zur Größe des Pferdes mit einem Fassungsvolumen von 12-20 Litern relativ klein und der Darm dafür mit im Schnitt 30 Metern sehr lang ist, ist aus ernährungsphysiologischer Sicht der Verdauungstrakt des Pferdes auf sehr faserreiches Futter ohne längere Fresspausen ausgelegt. Aber gerade im Winter stehen die meisten Pferde nur noch auf Paddocks oder verbringen den Großteil der Tageszeit sogar in ihrer Box. Damit fehlt nicht nur die freie Bewegung an der Luft, sondern meistens auch die stetige Raufutteraufnahme durch Gras. Das A&O der Grundfütterung des Pferdes stellt also eine sehr gute Raufutterversorgung von guter Qualität dar. Nicht zuletzt durch den Fellwechsel, haben Pferde im Winter einen erhöhten Energiebedarf. In der Regel rechnet man pro 100 Kg Körpergewicht 1.5 Kg Heu – diese Angabe stellt natürlich nur einen groben Richtwert dar, der je nach Energiebedarf und Arbeitsintensität angepasst werden muss. Wichtig ist vor allem die gute Qualität des Heus. Hierbei ist besonders darauf zu achten, dass die Staubbelastung nicht zu groß ist, das Heu nicht muffig riecht und keinen weißen Belag aufweist, der meist durch Schimmelsporen entsteht.

Genügend Saftfutter im Winter

Die Ernährung des Pferdes sollte im Prinzip aus den Grundsteinen Raufutter, Saftfutter und Kraftfutter bestehen, hinzu kommen verschiedene Formen an Zusatzfutter und Ölen. Besonders bewährt hat sich der Leitsatz: So viel Raufutter wie möglich und so viel Kraftfutter wie nötig.

Da im Winter die Saftfutterzufuhr durch wenig bis gar keinen Weidegang stark eingeschränkt ist, sollte auf zusätzliches Saftfutter umgestiegen werden, da es nicht zuletzt auch wichtige Vitamine liefert, die das Immunsystem des Pferdes stärken. Besonders beliebt sind bei der Fütterung natürlich Möhren, Rote Beete und Äpfel. Darüber hinaus können aber auch Bananen und einige Zitrusfrüchte (Orange, Mandarine) angeboten werde. Abwechslung bei der Fütterung ist immer besonders beliebt, dabei sollte eine Futterumstellung aber auch dementsprechend langsam erfolgen und die Menge an Obst und Gemüse im Rahmen bleiben. Wichtig ist auch das „Abweiden“ der Pferde, was in den meisten Ställen stark vernachlässigt wird. So, wie sich der Organismus des Pferdes im Frühjahr erst an das frische Gras gewöhnen muss, so muss dieser sich im Herbst auch wieder auf weniger Saftfutter einstellen. Bei zu schneller Futterumstellung können starke Magen- und Darmprobleme die Folge sein.

Raufutter bildet den Grundstein 

Etwas Warmes im Bauch

Wenn es eisig kalt ist und wir nach einem langen Tag durchgefroren zu Hause angekommen, freuen nicht nur wir uns über etwas Warmes im Magen, sondern auch unsere Pferde. Besonders beliebt ist im Winter die Fütterung von Mash. Dieses kann entweder selbst zusammen gemischt werden und besteht zum Großteil aus Kleie und Leinsamen oder aber man kauft das Mash bereits fertig im Futterhandel. Das fertige Mash bietet natürlich eine Vielzahl von verschiedenen Möglichkeiten: Besonders Faserreich durch Luzerne, besonders gesund durch den Zusatz von Kräutern oder aber extra süß mit Zuckerrüben. Wichtig ist vor allem die korrekte Zubereitung des Mashs mit kochendem Wasser und genügend Zeit, damit es aufquellen kann. Das Mash kann im Anschluss warm oder kalt verfüttert werden, wobei viele Pferde das noch warme Mash deutlich bevorzugen. Je nach Lust und Laune kann man das Mash natürlich noch selbst verfeinern. Die besten Ideen zeigen wir euch hier:

  • Anstatt mit kochendem Wasser einfach mit aufgebrühtem Kräutertee aufgießen
  • Möhren oder Äpfel mit rein schneiden
  • Zugabe von Kräutern
  • Etwas Zuckerrübensirup

Unser Tipp: Mash eignet sich besonders gut zum Untermischen von Medikamenten, da der Geschmack doch recht intensiv und es dem Pferd durch die Konsistenz meist nicht möglich ist, zum Beispiel Tabletten rauszusuchen.

Kräuter für Pferde

Wie oben schon angesprochen, ist durch den einsetzenden Winter ein Koppelgang nur noch an den wenigsten Ställen möglich. Somit verlieren die Pferde nicht nur die Nahrungszufuhr durch frisches Gras, sondern auch die Möglichkeit mit dem Gras gesunde Kräuter aufzunehmen, die sich positiv auf den Organismus auswirken. Gerade auch im Winter ist deshalb eine kleine Auswahl an Kräutern besonders beliebt, um die Abwehrkräfte zu stärken oder die Genesung bei Husten zu fördern (in schweren Fällen ersetzen Kräuter natürlich nicht geeignete Medikamente, die durch den Tierarzt verabreicht oder angeordnet werden). Sämtliche Kräuter können natürlich auch mit einem Aufguss als Tee gereicht werden – gesüßt mit etwas Zuckerrübensirup wird der Tee von vielen Pferden gerne genommen. Bitte aber auf die entsprechende Temperatur achten.

Bei Husteneignen sich vor allem Spitzwegerich, Salbei, Kamille, Pfefferminz, Huflattich oder Schwarzkümmel.

Zur Unterstützung der Verdauung eignen sich Melisse, Salbei, Wermut, Anis, Süßholzwurzel, Scharfgabenkraut oder Brunnenkresse.

Zur Stärkung des Immunsystems können Hagebutten, Ginseng, Schwarzkümmel, Pfefferminz oder Taigawurzel gefüttert werden.

Viele der Kräuter lassen sich meist bereits bei einem kleinen Spaziergang finden, sammeln und können anschließend gut getrocknet werden. Wer sich jedoch unsicher ist, ob es sich tatsächlich um das gesuchte Kraut  handelt, sollte lieber in Fachgeschäften suchen oder sich die Kräuter im Internet suchen. Es gibt bereits viele Seiten, die sich auf Futterkräuter spezialisiert haben und sogar schon bestimmte Fertigmischungen (zum Beispiel Atemwegskräuter) anbieten.

 

 

Lorella Joschko
Lorella Joschko

Beigleitet mich und meine zwei Pferde durch die skurrile Welt der Reiter: Der neuste Klatsch und Trasch, Beiträge rund um unser Training, die Pflege und den ganz normalen Reiterwahnsinn. Wer wir sind? Ich bin Lorella, 24 Jahre jung, Pferdenärrin, Studentin und Schreibverrückte, Alin ist meine immer saubere, immer hungrige Hafistute und mein Schimmelchen Sunny ihr komplettes Gegenteil: Immer dreckig und immer ein bisschen verrückt.



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