von Lorella Joschko Juli 05, 2018

Sommer, Sonne, Spaß - im Regelfall trifft das vor allem auf uns Reiter zu. Was gibt es schöneres, als bei warmen Temperaturen eine gemütliche Runde im Gelände zu drehen und sich im nahe gelegenen Bach etwas abzukühlen? Theoretisch eine sehr schöne Vorstellung, wären da nicht die lästigen Bremsen und Fliegen, die wirklich auch das schönste Wetter und die beste Laune vermiesen können. Gerade auch der Schweiß der Pferde zieht die lästigen Vampire förmlich an, die sich nicht mal durch die dünne Reitleggins davon abhalten lassen, auch uns zu beißen. Auch die Pferde leiden unter diesen Plagegeistern sichtlich, die sich vornehmlich an die Körperpartien setzen, an die der Schweif und der Kopf nicht hinreichen. Aber nicht nur beim Ausreiten werden die Insekten zum Problem: Für viele Pferde bereitet selbst der tägliche Koppelgang einen enormen Stressfaktor. Wir haben für euch recherchiert, wie ihr euch und euer Pferd nicht nur beim Reiten, sondern auch auf der Weide optimal schützen könnt.

Die Plagegeister

Bremsen sind vor allem zwischen Juni und August unterwegs und vermiesen ohne richtige Vorbereitung wirklich jeden Ausritt. Die größte Bremsenart ist die so genannte "Pferdebremse", die bis zu 2,5 cm lang werden kann und sich durch einen oliv-braunen, ovalen Körper auszeichnet. Die Pferdebremse kommt zwar nicht so häufig vor, wie ihre kleineren Artgenossen, aber auch die sind alles andere als harmlos. Der Biss einer Bremse schmerzt durch das größere Maul viel intensiver, als der stich einer Mücke. Besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit, an Waldrändern, im offenen Feld oder in der Nähe von Gewässern ist mit einem vermehrten Auftreten der lästigen Insekten zu rechnen, die sich mit großer Vorliebe vor allem im Bereich des Pferdebauchs oder der Schulterpartie festbeißen, da sich das Pferd an diesen Stellen nur schlecht zur wehr setzen kann. Bremsen reagieren vor allem auf Schweiß und werden beinahe magisch angezogen. Ihre Opfer nehmen sie in erster Linie durch Bewegung war. Also 'mal schnell den Bremsen davon galoppieren' erzielt meistens genau das Gegenteil der gewünschten Wirkung. Zwar ist man die kleinen Vampire für einen Augenblick los, allerdings werden dadurch auch alle anderen Bremsen in der Umgebung auf das Reiter-Pferd-Paar aufmerksam.

Natürlicher Schutz gegen Bremsen

Wer sein Pferd nicht ständig mit chemischen Anti-Bremsen Mitteln einsprühen möchte, kann auch auf einige natürliche Tipps und Tricks zurück greifen:

Decken: Mittlerweile gibt es zahlreiche Decken (auch zum Reiten), die Bremsen auf einem gewissen Sicherheitsabstand hält. Vornehmlich eignen sich hierbei helle Farben, wie eine Studie erwiesen hat, in der die Bremsen in erste Linie nur die dunklen Pferde angeflogen sind. Auch ein Zebramuster schützt vor Bissen besonders gut - die Zebras in Afrika machen es vor und sind durch ihr gestreiftes Fell quasi unsichtbar für lästige Plagegeister.

Knoblauch: Die Wirkung von Knoblauch im Kampf gegen Bremsen und Fliegen ist wissenschaftlich zwar nicht bewiesen, aber im gewissen Maße kann die Fütterung von Knoblauch dem Pferd doch etwas Erleichterung bieten. Hierbei kann entweder auf fertige Futtermischungen zurück gegriffen werden oder der Knoblauch wird selbst klein geschnitten. Mit etwas Öl hält sich die Mischung besonders gut und kann einfach über das tägliche Futter verabreicht werden. Hierbei muss allerdings unbedingt auf die Menge geachtet werden, damit das Pferd nicht zu viel Knoblauch bekommt. Die ätherischen Öle des Knoblauch werden beim Schwitzen im Optimalfall mit abgegeben und sollen die Bremsen zumindest daran hindern, genau dieses Pferd anzufliegen. 

Teebaumöl: Teebaumöl eignet sich besonders gut, wenn die Pferde auch ihren Boxen keine Ruhe vor Fliegen und Mücken haben. Bremsen verirren sich hierher zwar nur selten, aber auch zahlreiche Fliegen können Beißen und sind lästig - zumal das Pferd in der Box auch nur eingeschränkt bewegen kann. Da Teebaumöl sehr stark riecht, reichen schon kleine Mengen an der Box aus, um zumindest einen Teil der Fliegen auf Abstand halten zu können. Hierzu einfach ein paar Tropfen an der Boxenwand auftragen - aber immer außer Reichweite des Pferdes.

Apfelessig und Co.: Auch verdünnter Apfelessig und andere Kräutertinkturen sollen teilweise gegen Insekten helfen, hierbei ist die Zubereitung aber meist so Zeit intensiv, dass ein gekauftes Produkt letztlich doch einfacher ist, besser hilft und vor allem auch besser riecht.

Die richtige Tageszeit: Bremsen sind tagaktiv und noch bis spät in den Abend unterwegs. Als optimale Zeit für einen Ausritt eignen sich deshalb die frühen Morgenstunden im Wald. Ohne zusätzlichen Schutz sollten Gewässer und feuchte Gebiete gemieden werden. Auch an zu schwülen Tagen lieber am Stall, aber dafür bissfrei bleiben.

Wenn alles nichts hilft

Wenn nichts der Hausmittel so wirklich seine Wirkung zeigen will, bleibt meist nur noch der Gang zum Reitsportgeschäft des Vertrauens und der Kauf eines fertigen Anti-Bremsen-Sprays. Hierbei ist die Wirkung garantiert, wobei nicht jedes Mittel bei jedem Pferd gleich gut funktioniert. Ausprobieren und das Produkt öfter wechseln zeichnen sich besonders gut in der Wirkung aus. Die Sattellage darf unter keinen Umständen eingesprüht werden: Erstens ist es nicht nötig, da der Sattel diese Körperstelle eh schützt und zweitens bestehen die meisten Sprays aus chemischen Bestandteilen, die unter Umständen durch das 'Scheuern' des Sattels Hautreizungen verursachen können. Auch der Reiter sollte sich zur Sicherheit mit geeigneten Mitteln einsprühen. Manche Sprays sind bereits für Pferd und Mensch geeignet. Gerade im Sommer bleibt das Schwitzen meist nicht aus. Hierfür am besten etwas Anti-Bremsen-Spray in eine kleinere Flasche umfüllen und zum Ausreiten mitnehmen. Bei Bedarf oder nach dem Planschen im Wasser kann der Schutz somit aufrecht erhalten bleiben.

Auf der Weide

Da auch viele Pferde auf den Weiden keine Ruhe vor den kleinen Blutsaugern finden, eignen sich vor allem Sprays, die eine Wirkzeit bis zu 24 Stunden nachweisen können. Hiermit kann das Pferd abends eingesprüht werden, damit es den Koppelgang am nächsten Tag auch wirklich entspannend genießen kann. Zusätzlich gibt es eine Vielzahl an Bremsenfallen, die auf oder an der Weide angebracht werden können. Diese kann man entweder fertig kaufen oder sich aus einem schwarzen Gymnastikball, Moskitonetzen und Holz selber bauen. Einige Fliegen- bzw. Bremsenfallen arbeiten auch mit speziellem Kleber, der die Bremsen anlockt. Setzen sie sich nun auf ihrem vermeintlichen Opfer ab, bleiben sie fest kleben. Hierbei ist vor allem auf eine seriöse Marke und auf Qualität zu achten. Wird normaler Starkleim benutzt, können durchaus auch Schmetterlinge, Libellen und sogar kleine Vögel hängen bleiben, die qualvoll verenden. Vernünftiger Bremsenleim lockt in erster Linie nur Bremsen, Stechmücken und Fliegen an und ist darüber hinaus auch nur so stark, dass wirklich nur Insekten daran haften bleiben. Der Leim kann ganz einfach auf einem schwarzen Eimer aufgetragen und außerhalb der Weide freischwebend aufgehängt werden. Die Bewegung in der Luft simuliert für die Bremsen ein potentielles Opfer und lässt sie den Eimer anfliegen und die Pferde haben ihre Ruhe.

 

 

Lorella Joschko
Lorella Joschko

Beigleitet mich und meine zwei Pferde durch die skurrile Welt der Reiter: Der neuste Klatsch und Trasch, Beiträge rund um unser Training, die Pflege und den ganz normalen Reiterwahnsinn. Wer wir sind? Ich bin Lorella, 24 Jahre jung, Pferdenärrin, Studentin und Schreibverrückte, Alin ist meine immer saubere, immer hungrige Hafistute und mein Schimmelchen Sunny ihr komplettes Gegenteil: Immer dreckig und immer ein bisschen verrückt.


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