West-Nil-Virus – ein Überblick

Influenza, Herpes, Druse, Husten, Tetanus und Borreliose sind Erkrankungen, die in der Regel durch Bakterien und Viren verursacht werden. Gegen einige kann man Pferde bereits impfen, bei anderen Erkrankungen helfen vorbeugende Schutzmaßnahmen. Im Fall des West-Nil-Virus geht die Gefahr allerdings nicht von infizierten Pferden aus, sondern von Stechmücken, die das Virus übertragen.

Übertragung

 Das West-Nil-Virus tritt hierzulande in der Regel nicht als seuchenartiges Geschehen auf wie etwa Influenza- oder Herpesvirus-Infektionen, von der Symptomatik und Schwere des Krankheitsverlaufs ist eine Infektion aber mindestens ebenso schwerwiegend. Das Virus tritt gehäuft im Sommer und Spätsommer bei Pferden auf, was sich durch die Zunahme der Viruslast über das Jahr erklären lässt. Pferde und Menschen sind für das Virus Fehlwirte, primär wird es zwischen Vogel und Stechmücke übertragen. Je mehr Vögel über das Jahr infiziert werden, umso mehr Stechmücken tragen das Virus wiederum weiter, wodurch sich die Viruslast erhöht und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Fehlwirte wie Pferde infiziert werden. Von einem infizierten Pferd geht im normalen Umgang also keine Gefahr für andere Pferde (oder für Menschen) aus, weil Pferde keine ausreichende Viruslast im Blut entwickeln. Eine gesunde Mücke, die ein infiziertes Pferd sticht, kann damit also nicht zum neuen Virusüberträger werden.

Verbreitung

Das West-Nil-Virus ist in Deutschland erstmalig 2018 bei einem Pferd nachgewiesen worden. Die hauptsächlichen Verbreitungsgebiete lassen sich allerdings weitgehend auf Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg eingrenzen. Vereinzelte Fällen ließen sich aber auch in anderen Bundesländern nachweisen. In Nordamerika hat das West-Nil-Virus einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Dort tritt es viel häufiger und anfangs mit seuchenartiger Verbreitung auf. Um diese Entwicklung im Blick zu behalten, ist es nötig, dass häufiger auf das West-Nil-Virus getestet wird, wenn die Symptomatik auf eine Infektion hinweist. In der Regel infizieren sich zwar nur wenige Pferde und von diesen erkranken auch nicht alle klinisch, für die betroffenen Pferde ist die Erkrankung aber sehr schwerwiegend und ernst. Die Mortalitätsrate wird mit ca. 30% - 40% angegeben. Die Entwicklung in Deutschland und Europa geht einher mit den klimatischen Veränderungen. Die Stechmücken können hierzulande besser überwintern.

Symptomatik und Erkrankung

Das West-Nil-Virus löst eine neurologische Erkrankung aus, die das zentrale Nervensystem betrifft. Sie kann zwar vollständig ausheilen, kann aber auch zum Tod führen oder betreffende Pferde behalten Langzeitschäden zurück, die meistens neurologisch bedingt sind, ähnlich wie bei einer Herpesvirusinfektion. Es wird zwischen allgemeinen und neurologischen Symptomen unterschieden: Fieber, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Appetitlosigkeit sowie neurologische Faktoren wie Ataxien, Gleichgewichtsstörungen, Muskelzittern und eine überhöhte Reaktion auf Geräusche oder Berührungen. Beim West-Nil-Virus handelt es sich um eine anzeigepflichtige Erkrankung, da aber nur 8-10 % der infizierten Pferde auch Symptome zeigen, ist die Gesamtzahl der infizierten Pferde unzureichend bekannt.

Therapie

Die Therapie richtet sich ganz nach Schwere und Art der Symptome. Es gibt hierfür keine einheitliche zugelassene Therapie. Die Therapie konzentriert sich primär auf die Behandlung von Schmerzen und Entzündungen sowie auf einen Schutz vor Verletzungen und einen Erhalt der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme. Begleitende Maßnahmen können die Gabe von Vitaminpräparaten sowie Infusionen sein.

Impfung

Gegen das West-Nil-Virus gibt es für Pferde bereits eine Impfung, die in der Regel sehr gut verträglich ist. Vor allem in Risikogebieten und Regionen, in denen das Virus nachgewiesen wurde, ist eine Impfung dringend empfohlen. Im Vergleich zu anderen Impfungen ist diese zwar teurer, aber dennoch eine wirksame Maßnahme. Die Impfung verhindert zwar nicht eine Infektion mit dem Virus, aber doch die Erkrankung.

Insektenschutz

Kommt die Mücke nicht ans Pferd, kann sie es nicht infizieren, deshalb stellt die Mückenabwehr eine gute Prophylaxe dar. Mechanischer und chemischer Insektenschutz sowie das entsprechende Weidemanagement können helfen, die lästigen Quälgeister auf Abstand zu halten.

Fliegendecken und -masken gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Zum optimalen Schutz vor Insekten sollten die Modelle zu den Bedürfnissen des Pferdes und den Haltungsbedingungen ausgewählt werden. In besonders insektenreichen Gebieten oder in Nähe zu Gewässern eignen sich daher vor allem Fliegendecken, die auch Bauch- und Halsbereich ausreichend bedecken. Für besonders empfindliche Pferde, Allergiker oder bei Sommerekzem gibt es bereits Komplettlösungen, die inklusive der Beine beinahe den gesamten Körper vor aufdringlichen Plagegeistern schützen. Besonders anfällig sind auch Gesicht und Augenpartie. Eine Fliegenmaske hilft, diesen Bereich zu schützen.

Chemischer Insektenschutz wird direkt auf dem Fell aufgetragen und ist sowohl als Spray, Gel oder Creme erhältlich. Flächendeckend aufgetragen werden Insekten zuverlässig ferngehalten. Je nach Hersteller und Inhaltsstoff kann die Wirkungsdauer der Repellentien stark variieren. Mittlerweile ist auch Insektenschutz natürlichen Ursprungs mit ätherischen Ölen und Kräutern erhältlich. Die Hautverträglichkeit sollte in jedem Fall zunächst an einer kleinen Stelle der Haut getestet werden.